Wandzeichnung #27; "LHC"; 2010; Tusche auf Wand (Ink on wall); Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg; Foto: Annette Kradisch

Kontext
Gerhard Mayer: LHC
/prospekt/: Der Titel dieses besonderen Ausstellungsformats des Neuen Museums in Nürnberg ist Programm. Er meint eine raum- wie etagenübergreifende künstlerische Gestaltung der sechs Sammlungsräume, die von der Glassfassade an- bzw. aufgeschnitten werden, sodass sich das Museum wie ein Puppenhaus zum Klarissenplatz hin öffnet. Die Malerin Katharina Grosse hat im vergangenen Jahr als erste Künstlerin erfolgreich das Experiment gewagt. Nun folgt ihr der Zeichner Gerhard Mayer (geb. 1962). Am 25. Januar begann er mit der Arbeit für die Ausstellung, die am 25. März eröffnet werden wird. Fünfeinhalb Meter hoch sind die Wände in den Fassadenräumen. Genauso hoch reicht deshalb auch das Schablonengerüst in die Höhe, das der Künstler für seine bislang größte Wandzeichnung selbst gebaut hat. Ein Gegengewicht sorgt dafür, dass er mühelos die Schablone aus Plexiglas in Position bringen kann. Er steht am Boden oder auf einem Hubsteiger, taucht einen flachen Pinsel mit einer Breite von genau 1 cm in Tusche und zieht eine Linie. Der Pinsel wird dabei von der Schablone geführt. Eine ruhige Hand braucht Mayer dennoch. Es ist frappierend, wie exakt seine Tuschelinien an der Wand anfangen und enden. Manche sind kurz, andere sehr lang. Bei jedem Ansetzen der ellipsenförmigen Schablone entstehen mindestens drei Linien. Dies ist nur eine von mehreren Regeln, die sich der Künstler selbst auferlegt. Regeln, die sich aus der Praxis des Zeichnens ergeben haben, darunter auch die, dass keine Linie eine andere berühren oder gar kreuzen darf. Oder dass keine Linie eine Raumkante überschneiden darf. Die englische Malerin Bridget Riley hat einmal gesagt: „Wenn dem modernen Künstler keine Grenzen mehr gesetzt sind, dann heißt das doch nur, dass er die Freiheit hat, selber welche zu setzen ...“. Was für Bridget Riley der Farbstreifen, ist für Gerhard Mayer das Ellipsenteilstück. Doch warum ausgerechnet eine Ellipse? „Die Welt ist eben elliptisch“, sagt Gerhard Mayer und verhehlt dabei seine Abneigung gegen die „Langeweile“ des perfekten Kreises nicht. Die Ellipse ist dynamisch und ruft räumliche Effekte hervor, da sie als perspektivisch gesehener Kreis wahrgenommen werden kann. Damit ist sie als Grundform für einen Künstler, der mit seinen Zeichnungen ganze Räume besetzt, wie geschaffen. Wolken, Wirbel, Strudel, die unglaublichsten perspektivischen Effekte bringt Gerhard Mayer auf die Wand. „Site Specific Wall Drawings“ (ortspezifische Wandzeichnungen) hat er bereits in Galerien, Ausstellungsräumen und öffentlichen Gebäuden in Nürnberg, München, Düsseldorf, Berlin, Wien, Brüssel, New York, San Francisco und an anderen Orten verwirklicht. Zuletzt gestaltete er den Deckenspiegel der barocken Kirche im oberfränkischen Seibelsdorf. Ob er wie dort auf bewegte Rocaillen des 18. Jahrhunderts oder wie im Neuen Museum auf strenge White Cubes des 20. Jahrhunderts trifft, immer reagiert Gerhard Mayer auf die besonderen Vorgaben der Räume. Energieströme aus Tausenden von Ellipsenteilstücken
überfluten die Wände und reißen den Betrachter mit. Gerhard Mayer schafft eindrucksvolle visuelle Metaphern für jene ungeheuerlichen Strukturen und Prozesse im Makro- wie Mikrokosmos, im Weltraum wie im atomaren Bereich, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Auch seine Arbeit für das Neue Museum trägt deshalb einen Titel aus der Welt der naturwissenschaftlichen Forschung: Der Large Hadron Collider (LHC) ist der weltweit größte Teilchenbeschleuniger. In der gigantischen unterirdischen Anlage bei Genf werden Protonenstrahlen zur Kollision gebracht. Die Experimente dienen dem Nachweis des Higgs- Teilchens, das allen Elementarteilchen ihre Masse verleihen soll. Der Künstler betont, dass es ihm nicht um Illustration, sondern lediglich um eine bildkünstlerische Entsprechung zu jenen umwälzenden Einblicken in die subatomare Welt gehe. Mit dem Problem der Masse muss er sich als Zeichner ohnehin nicht beschäftigen.
Thomas Heyden
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Wandzeichnung #27; "LHC"; Seitenwechsel; 2010; Tusche auf Wand (Ink on wall); Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg; Foto: Annette Kradisch

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Wandzeichnung #27; "LHC"; 2010; Tusche auf Wand (Ink on wall); Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg

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Wandzeichnung #27; "LHC"; 2010; Tusche auf Wand (Ink on wall); Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg

Kontext
Gerhard Mayer: LHC
/prospekt/: Der Titel dieses besonderen Ausstellungsformats des Neuen Museums in Nürnberg ist Programm. Er meint eine raum- wie etagenübergreifende künstlerische Gestaltung der sechs Sammlungsräume, die von der Glassfassade an- bzw. aufgeschnitten werden, sodass sich das Museum wie ein Puppenhaus zum Klarissenplatz hin öffnet. Die Malerin Katharina Grosse hat im vergangenen Jahr als erste Künstlerin erfolgreich das Experiment gewagt. Nun folgt ihr der Zeichner Gerhard Mayer (geb. 1962). Am 25. Januar begann er mit der Arbeit für die Ausstellung, die am 25. März eröffnet werden wird. Fünfeinhalb Meter hoch sind die Wände in den Fassadenräumen. Genauso hoch reicht deshalb auch das Schablonengerüst in die Höhe, das der Künstler für seine bislang größte Wandzeichnung selbst gebaut hat. Ein Gegengewicht sorgt dafür, dass er mühelos die Schablone aus Plexiglas in Position bringen kann. Er steht am Boden oder auf einem Hubsteiger, taucht einen flachen Pinsel mit einer Breite von genau 1 cm in Tusche und zieht eine Linie. Der Pinsel wird dabei von der Schablone geführt. Eine ruhige Hand braucht Mayer dennoch. Es ist frappierend, wie exakt seine Tuschelinien an der Wand anfangen und enden. Manche sind kurz, andere sehr lang. Bei jedem Ansetzen der ellipsenförmigen Schablone entstehen mindestens drei Linien. Dies ist nur eine von mehreren Regeln, die sich der Künstler selbst auferlegt. Regeln, die sich aus der Praxis des Zeichnens ergeben haben, darunter auch die, dass keine Linie eine andere berühren oder gar kreuzen darf. Oder dass keine Linie eine Raumkante überschneiden darf. Die englische Malerin Bridget Riley hat einmal gesagt: „Wenn dem modernen Künstler keine Grenzen mehr gesetzt sind, dann heißt das doch nur, dass er die Freiheit hat, selber welche zu setzen ...“. Was für Bridget Riley der Farbstreifen, ist für Gerhard Mayer das Ellipsenteilstück. Doch warum ausgerechnet eine Ellipse? „Die Welt ist eben elliptisch“, sagt Gerhard Mayer und verhehlt dabei seine Abneigung gegen die „Langeweile“ des perfekten Kreises nicht. Die Ellipse ist dynamisch und ruft räumliche Effekte hervor, da sie als perspektivisch gesehener Kreis wahrgenommen werden kann. Damit ist sie als Grundform für einen Künstler, der mit seinen Zeichnungen ganze Räume besetzt, wie geschaffen. Wolken, Wirbel, Strudel, die unglaublichsten perspektivischen Effekte bringt Gerhard Mayer auf die Wand. „Site Specific Wall Drawings“ (ortspezifische Wandzeichnungen) hat er bereits in Galerien, Ausstellungsräumen und öffentlichen Gebäuden in Nürnberg, München, Düsseldorf, Berlin, Wien, Brüssel, New York, San Francisco und an anderen Orten verwirklicht. Zuletzt gestaltete er den Deckenspiegel der barocken Kirche im oberfränkischen Seibelsdorf. Ob er wie dort auf bewegte Rocaillen des 18. Jahrhunderts oder wie im Neuen Museum auf strenge White Cubes des 20. Jahrhunderts trifft, immer reagiert Gerhard Mayer auf die besonderen Vorgaben der Räume. Energieströme aus Tausenden von Ellipsenteilstücken
überfluten die Wände und reißen den Betrachter mit. Gerhard Mayer schafft eindrucksvolle visuelle Metaphern für jene ungeheuerlichen Strukturen und Prozesse im Makro- wie Mikrokosmos, im Weltraum wie im atomaren Bereich, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Auch seine Arbeit für das Neue Museum trägt deshalb einen Titel aus der Welt der naturwissenschaftlichen Forschung: Der Large Hadron Collider (LHC) ist der weltweit größte Teilchenbeschleuniger. In der gigantischen unterirdischen Anlage bei Genf werden Protonenstrahlen zur Kollision gebracht. Die Experimente dienen dem Nachweis des Higgs- Teilchens, das allen Elementarteilchen ihre Masse verleihen soll. Der Künstler betont, dass es ihm nicht um Illustration, sondern lediglich um eine bildkünstlerische Entsprechung zu jenen umwälzenden Einblicken in die subatomare Welt gehe. Mit dem Problem der Masse muss er sich als Zeichner ohnehin nicht beschäftigen.
Thomas Heyden
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Wandzeichnung #27; "LHC"; 2010; Tusche auf Wand (Ink on wall); Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg

Kontext
Gerhard Mayer: LHC
/prospekt/: Der Titel dieses besonderen Ausstellungsformats des Neuen Museums in Nürnberg ist Programm. Er meint eine raum- wie etagenübergreifende künstlerische Gestaltung der sechs Sammlungsräume, die von der Glassfassade an- bzw. aufgeschnitten werden, sodass sich das Museum wie ein Puppenhaus zum Klarissenplatz hin öffnet. Die Malerin Katharina Grosse hat im vergangenen Jahr als erste Künstlerin erfolgreich das Experiment gewagt. Nun folgt ihr der Zeichner Gerhard Mayer (geb. 1962). Am 25. Januar begann er mit der Arbeit für die Ausstellung, die am 25. März eröffnet werden wird. Fünfeinhalb Meter hoch sind die Wände in den Fassadenräumen. Genauso hoch reicht deshalb auch das Schablonengerüst in die Höhe, das der Künstler für seine bislang größte Wandzeichnung selbst gebaut hat. Ein Gegengewicht sorgt dafür, dass er mühelos die Schablone aus Plexiglas in Position bringen kann. Er steht am Boden oder auf einem Hubsteiger, taucht einen flachen Pinsel mit einer Breite von genau 1 cm in Tusche und zieht eine Linie. Der Pinsel wird dabei von der Schablone geführt. Eine ruhige Hand braucht Mayer dennoch. Es ist frappierend, wie exakt seine Tuschelinien an der Wand anfangen und enden. Manche sind kurz, andere sehr lang. Bei jedem Ansetzen der ellipsenförmigen Schablone entstehen mindestens drei Linien. Dies ist nur eine von mehreren Regeln, die sich der Künstler selbst auferlegt. Regeln, die sich aus der Praxis des Zeichnens ergeben haben, darunter auch die, dass keine Linie eine andere berühren oder gar kreuzen darf. Oder dass keine Linie eine Raumkante überschneiden darf. Die englische Malerin Bridget Riley hat einmal gesagt: „Wenn dem modernen Künstler keine Grenzen mehr gesetzt sind, dann heißt das doch nur, dass er die Freiheit hat, selber welche zu setzen ...“. Was für Bridget Riley der Farbstreifen, ist für Gerhard Mayer das Ellipsenteilstück. Doch warum ausgerechnet eine Ellipse? „Die Welt ist eben elliptisch“, sagt Gerhard Mayer und verhehlt dabei seine Abneigung gegen die „Langeweile“ des perfekten Kreises nicht. Die Ellipse ist dynamisch und ruft räumliche Effekte hervor, da sie als perspektivisch gesehener Kreis wahrgenommen werden kann. Damit ist sie als Grundform für einen Künstler, der mit seinen Zeichnungen ganze Räume besetzt, wie geschaffen. Wolken, Wirbel, Strudel, die unglaublichsten perspektivischen Effekte bringt Gerhard Mayer auf die Wand. „Site Specific Wall Drawings“ (ortspezifische Wandzeichnungen) hat er bereits in Galerien, Ausstellungsräumen und öffentlichen Gebäuden in Nürnberg, München, Düsseldorf, Berlin, Wien, Brüssel, New York, San Francisco und an anderen Orten verwirklicht. Zuletzt gestaltete er den Deckenspiegel der barocken Kirche im oberfränkischen Seibelsdorf. Ob er wie dort auf bewegte Rocaillen des 18. Jahrhunderts oder wie im Neuen Museum auf strenge White Cubes des 20. Jahrhunderts trifft, immer reagiert Gerhard Mayer auf die besonderen Vorgaben der Räume. Energieströme aus Tausenden von Ellipsenteilstücken
überfluten die Wände und reißen den Betrachter mit. Gerhard Mayer schafft eindrucksvolle visuelle Metaphern für jene ungeheuerlichen Strukturen und Prozesse im Makro- wie Mikrokosmos, im Weltraum wie im atomaren Bereich, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Auch seine Arbeit für das Neue Museum trägt deshalb einen Titel aus der Welt der naturwissenschaftlichen Forschung: Der Large Hadron Collider (LHC) ist der weltweit größte Teilchenbeschleuniger. In der gigantischen unterirdischen Anlage bei Genf werden Protonenstrahlen zur Kollision gebracht. Die Experimente dienen dem Nachweis des Higgs- Teilchens, das allen Elementarteilchen ihre Masse verleihen soll. Der Künstler betont, dass es ihm nicht um Illustration, sondern lediglich um eine bildkünstlerische Entsprechung zu jenen umwälzenden Einblicken in die subatomare Welt gehe. Mit dem Problem der Masse muss er sich als Zeichner ohnehin nicht beschäftigen.
Thomas Heyden
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Wandzeichnung #27; "LHC"; 2010; Tusche auf Wand (Ink on wall); Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg, Foto: Simone Michalko

Kontext
Gerhard Mayer: LHC
/prospekt/: Der Titel dieses besonderen Ausstellungsformats des Neuen Museums in Nürnberg ist Programm. Er meint eine raum- wie etagenübergreifende künstlerische Gestaltung der sechs Sammlungsräume, die von der Glassfassade an- bzw. aufgeschnitten werden, sodass sich das Museum wie ein Puppenhaus zum Klarissenplatz hin öffnet. Die Malerin Katharina Grosse hat im vergangenen Jahr als erste Künstlerin erfolgreich das Experiment gewagt. Nun folgt ihr der Zeichner Gerhard Mayer (geb. 1962). Am 25. Januar begann er mit der Arbeit für die Ausstellung, die am 25. März eröffnet werden wird. Fünfeinhalb Meter hoch sind die Wände in den Fassadenräumen. Genauso hoch reicht deshalb auch das Schablonengerüst in die Höhe, das der Künstler für seine bislang größte Wandzeichnung selbst gebaut hat. Ein Gegengewicht sorgt dafür, dass er mühelos die Schablone aus Plexiglas in Position bringen kann. Er steht am Boden oder auf einem Hubsteiger, taucht einen flachen Pinsel mit einer Breite von genau 1 cm in Tusche und zieht eine Linie. Der Pinsel wird dabei von der Schablone geführt. Eine ruhige Hand braucht Mayer dennoch. Es ist frappierend, wie exakt seine Tuschelinien an der Wand anfangen und enden. Manche sind kurz, andere sehr lang. Bei jedem Ansetzen der ellipsenförmigen Schablone entstehen mindestens drei Linien. Dies ist nur eine von mehreren Regeln, die sich der Künstler selbst auferlegt. Regeln, die sich aus der Praxis des Zeichnens ergeben haben, darunter auch die, dass keine Linie eine andere berühren oder gar kreuzen darf. Oder dass keine Linie eine Raumkante überschneiden darf. Die englische Malerin Bridget Riley hat einmal gesagt: „Wenn dem modernen Künstler keine Grenzen mehr gesetzt sind, dann heißt das doch nur, dass er die Freiheit hat, selber welche zu setzen ...“. Was für Bridget Riley der Farbstreifen, ist für Gerhard Mayer das Ellipsenteilstück. Doch warum ausgerechnet eine Ellipse? „Die Welt ist eben elliptisch“, sagt Gerhard Mayer und verhehlt dabei seine Abneigung gegen die „Langeweile“ des perfekten Kreises nicht. Die Ellipse ist dynamisch und ruft räumliche Effekte hervor, da sie als perspektivisch gesehener Kreis wahrgenommen werden kann. Damit ist sie als Grundform für einen Künstler, der mit seinen Zeichnungen ganze Räume besetzt, wie geschaffen. Wolken, Wirbel, Strudel, die unglaublichsten perspektivischen Effekte bringt Gerhard Mayer auf die Wand. „Site Specific Wall Drawings“ (ortspezifische Wandzeichnungen) hat er bereits in Galerien, Ausstellungsräumen und öffentlichen Gebäuden in Nürnberg, München, Düsseldorf, Berlin, Wien, Brüssel, New York, San Francisco und an anderen Orten verwirklicht. Zuletzt gestaltete er den Deckenspiegel der barocken Kirche im oberfränkischen Seibelsdorf. Ob er wie dort auf bewegte Rocaillen des 18. Jahrhunderts oder wie im Neuen Museum auf strenge White Cubes des 20. Jahrhunderts trifft, immer reagiert Gerhard Mayer auf die besonderen Vorgaben der Räume. Energieströme aus Tausenden von Ellipsenteilstücken
überfluten die Wände und reißen den Betrachter mit. Gerhard Mayer schafft eindrucksvolle visuelle Metaphern für jene ungeheuerlichen Strukturen und Prozesse im Makro- wie Mikrokosmos, im Weltraum wie im atomaren Bereich, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Auch seine Arbeit für das Neue Museum trägt deshalb einen Titel aus der Welt der naturwissenschaftlichen Forschung: Der Large Hadron Collider (LHC) ist der weltweit größte Teilchenbeschleuniger. In der gigantischen unterirdischen Anlage bei Genf werden Protonenstrahlen zur Kollision gebracht. Die Experimente dienen dem Nachweis des Higgs- Teilchens, das allen Elementarteilchen ihre Masse verleihen soll. Der Künstler betont, dass es ihm nicht um Illustration, sondern lediglich um eine bildkünstlerische Entsprechung zu jenen umwälzenden Einblicken in die subatomare Welt gehe. Mit dem Problem der Masse muss er sich als Zeichner ohnehin nicht beschäftigen.
Thomas Heyden
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Wandzeichnung #27; "LHC"; 2010; Tusche auf Wand (Ink on wall); Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design, Nürnberg

Kontext
Gerhard Mayer: LHC
/prospekt/: Der Titel dieses besonderen Ausstellungsformats des Neuen Museums in Nürnberg ist Programm. Er meint eine raum- wie etagenübergreifende künstlerische Gestaltung der sechs Sammlungsräume, die von der Glassfassade an- bzw. aufgeschnitten werden, sodass sich das Museum wie ein Puppenhaus zum Klarissenplatz hin öffnet. Die Malerin Katharina Grosse hat im vergangenen Jahr als erste Künstlerin erfolgreich das Experiment gewagt. Nun folgt ihr der Zeichner Gerhard Mayer (geb. 1962). Am 25. Januar begann er mit der Arbeit für die Ausstellung, die am 25. März eröffnet werden wird. Fünfeinhalb Meter hoch sind die Wände in den Fassadenräumen. Genauso hoch reicht deshalb auch das Schablonengerüst in die Höhe, das der Künstler für seine bislang größte Wandzeichnung selbst gebaut hat. Ein Gegengewicht sorgt dafür, dass er mühelos die Schablone aus Plexiglas in Position bringen kann. Er steht am Boden oder auf einem Hubsteiger, taucht einen flachen Pinsel mit einer Breite von genau 1 cm in Tusche und zieht eine Linie. Der Pinsel wird dabei von der Schablone geführt. Eine ruhige Hand braucht Mayer dennoch. Es ist frappierend, wie exakt seine Tuschelinien an der Wand anfangen und enden. Manche sind kurz, andere sehr lang. Bei jedem Ansetzen der ellipsenförmigen Schablone entstehen mindestens drei Linien. Dies ist nur eine von mehreren Regeln, die sich der Künstler selbst auferlegt. Regeln, die sich aus der Praxis des Zeichnens ergeben haben, darunter auch die, dass keine Linie eine andere berühren oder gar kreuzen darf. Oder dass keine Linie eine Raumkante überschneiden darf. Die englische Malerin Bridget Riley hat einmal gesagt: „Wenn dem modernen Künstler keine Grenzen mehr gesetzt sind, dann heißt das doch nur, dass er die Freiheit hat, selber welche zu setzen ...“. Was für Bridget Riley der Farbstreifen, ist für Gerhard Mayer das Ellipsenteilstück. Doch warum ausgerechnet eine Ellipse? „Die Welt ist eben elliptisch“, sagt Gerhard Mayer und verhehlt dabei seine Abneigung gegen die „Langeweile“ des perfekten Kreises nicht. Die Ellipse ist dynamisch und ruft räumliche Effekte hervor, da sie als perspektivisch gesehener Kreis wahrgenommen werden kann. Damit ist sie als Grundform für einen Künstler, der mit seinen Zeichnungen ganze Räume besetzt, wie geschaffen. Wolken, Wirbel, Strudel, die unglaublichsten perspektivischen Effekte bringt Gerhard Mayer auf die Wand. „Site Specific Wall Drawings“ (ortspezifische Wandzeichnungen) hat er bereits in Galerien, Ausstellungsräumen und öffentlichen Gebäuden in Nürnberg, München, Düsseldorf, Berlin, Wien, Brüssel, New York, San Francisco und an anderen Orten verwirklicht. Zuletzt gestaltete er den Deckenspiegel der barocken Kirche im oberfränkischen Seibelsdorf. Ob er wie dort auf bewegte Rocaillen des 18. Jahrhunderts oder wie im Neuen Museum auf strenge White Cubes des 20. Jahrhunderts trifft, immer reagiert Gerhard Mayer auf die besonderen Vorgaben der Räume. Energieströme aus Tausenden von Ellipsenteilstücken
überfluten die Wände und reißen den Betrachter mit. Gerhard Mayer schafft eindrucksvolle visuelle Metaphern für jene ungeheuerlichen Strukturen und Prozesse im Makro- wie Mikrokosmos, im Weltraum wie im atomaren Bereich, die unser Vorstellungsvermögen sprengen. Auch seine Arbeit für das Neue Museum trägt deshalb einen Titel aus der Welt der naturwissenschaftlichen Forschung: Der Large Hadron Collider (LHC) ist der weltweit größte Teilchenbeschleuniger. In der gigantischen unterirdischen Anlage bei Genf werden Protonenstrahlen zur Kollision gebracht. Die Experimente dienen dem Nachweis des Higgs- Teilchens, das allen Elementarteilchen ihre Masse verleihen soll. Der Künstler betont, dass es ihm nicht um Illustration, sondern lediglich um eine bildkünstlerische Entsprechung zu jenen umwälzenden Einblicken in die subatomare Welt gehe. Mit dem Problem der Masse muss er sich als Zeichner ohnehin nicht beschäftigen.
Thomas Heyden
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Wandzeichnung #6; „NGC 1976“; 2002; Tusche auf Wand (Ink on wall); Hosfelt Gallery, San Francisco

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Wandzeichnung #6; „NGC 1976“; 2002; Tusche auf Wand (Ink on wall); Hosfelt Gallery, San Francisco

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Wandzeichnung #17; „Bacteriorhodopsin, 1/600 Sekunde entfernt von Brüssel; 2006; Tusche auf Wand (Ink on wall); Galerie Annette Oechsner, Nürnberg

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Wandzeichnung #17; „Bacteriorhodopsin, 1/600 Sekunde entfernt von Brüssel; 2006; Tusche auf Wand (Ink on wall); Galerie Annette Oechsner, Nürnberg

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Wandzeichnung #16; „Bacteriorhodopsin“; 2006; Tusche auf Wand (Ink on wall);Galerie Vedovi, Brüssel, Belgien

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Wandzeichnung #25; "Gott-Partikel"; 2009; Tusche auf Wand (Ink on wall); Markgrafenkirche, Seibelsdorf, Foto: Annette Kradisch

Kontext
Gott-Partikel aus der Sicht eines Teilchenphysikers
Prof. Dr. Reinhold Rückl
Die meisten Besucher der Markgrafenkirche in Seibelsdorf und wohl auch viele Betrachter dieses Kunstbandes wird der Titel „Gott-Partikel” für eine Deckenzeichnung verwundern. Sogar diejenigen, die Gerhard Mayer und seine Werke kennen und wissen, dass er nicht selten ungewöhnliche, manchmal fremd anmutende Begriffe und Kürzel aus dem naturwissenschaftlichen Umfeld als Titel verwendet, vor allem aus der Quantenphysik, die er als besonders inspirierend betrachtet, mag es rätselhaft anmuten, was Gerhard Mayer bewogen hat, die Deckenzeichnung in dieser Kirche mit einem so merkwürdigem Ausdruck zu belegen. Ich selbst, der ich in der Physik zu Hause bin, habe bei diesem Titel eine unmittelbare Assoziation: God Particle - Ursprung der Eigenschaft „Masse“ im physikalischen Weltbild unserer Zeit und zentrales Objekt der modernen Elementarteilchenforschung. Liegt hier des Rätsels Lösung oder vielleicht ein Zugang, der einen neuen tiefgründigeren Blick auf dieses Kunstwerk von Gerhard Mayer eröffnet? Ich will es auf einen Versuch ankommen lassen.
Landläufig verbindet man mit der Masse oder dem Gewicht eines materiellen Gegenstandes die Summe der Massen seiner Bestandteile. Dieses durch die alltägliche Erfahrung evidente Verständnis kann bis in tiefe Ebenen des Mikrokosmos extrapoliert werden. So hat die Masse eines Moleküls ihren Ursprung in der Masse der Atome, aus denen es besteht, und die Masse eines Atoms wiederum in der Masse seines Kerns und der Elektronen, die jenen umkreisen. Die Masse des Kerns schließlich ist bestimmt durch die Anzahl der Nukleonen, aus denen er aufgebaut ist. Was aber, wenn man am Ende der Kette angelangt ist, bei den sogenannten Elementarteilchen, die nicht aus noch kleineren Bausteinen zusammengesetzt sind, also keine Bestandteile besitzen? Woher kommt die Masse dieser elementarsten Objekte im Kosmos?
Das Standardmodell der Teilchenphysik, in dem der heutige Erkenntnisstand über die elementarsten Bausteine der Materie und der Kräfte zwischen ihnen zusammengefasst ist, gibt eine sehr überraschende Antwort. Die Elementarteilchen sind a priori masselos, ihre scheinbare Masse wird erzeugt durch die Wechselwirkung mit einem Feld, das das gesamte Universum ausfüllt und nach seinem Erdenker „Higgsfeld“ genannt wird. Ähnlich wie ein Magnetfeld seine Anwesenheit erst durch seine Kraftwirkung auf ein metallisches Objekt verrät, das in seinen Einflussbereich gebracht wird, zeigt sich das Higgsfeld durch
seinem Einfluss auf die kleinsten, nicht mehr teilbaren Bausteine des Universums. Vergleichbar mit einer Kugel, die sich in einer zähen Flüssigkeit jeder Beschleunigung widersetzt, bewegen sich Elementarteilchen durch die Wechselwirkung mit dem Higgsfeld träger als im leeren Raum. Das Maß für Trägheit aber ist die Masse eines Objekts. Je zäher die Flüssigkeit, desto größer die Trägheit der Kugel, je stärker die Wechselwirkung mit dem Higgsfeld, desto schwerer die effektive Masse des Teilchens. Wie im Magnetfeld steckt auch im Higgsfeld Energie. In der Quantentheorie ist die Feldenergie nicht kontinuierlich verteilt, sondern gleichsam körnig in sogenannten Energiequanten. Das Quant des Higgsfeldes, das den kleinst möglichen Bruchteil an Feldenergie trägt, heißt Higgsboson oder populärer God Particle. Seine Existenz ist bis heute reine Spekulation, trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung in Beschleunigerexperimenten rund um den Globus. Mit dem weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC am Europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik CERN in Genf wurde in 2010 ein neuer gigantischer Versuch gestartet und es sieht ganz so aus, als wäre man dem God Particle diesmal dicht auf den Fersen.
Interessant, aber was hat das alles mit der Deckenzeichnung in der Markgrafenkirche zu tun? Sicher handelt es sich dort nicht um eine bildliche Darstellung des Higgsmechanismus. Die Quantenwelt läßt sich nicht bildlich darstellen, allenfalls illustrieren. Ihre Sprache ist die abstrakte Sprache der Mathematik. Illustrationen sind immer Halbwahrheiten, Hilfestellungen zwar für fruchtbare Intuition, aber auch Fallen, die zu falschen Assoziationen verleiten. Die Verbindung zum Schaffen von Gerhard Mayer ist eine andere, jene die er auch durch Titel anderer Werke wie „LHC“, dem Kürzel für die Weltmaschine am CERN, oder „Amanda“, dem Namen eines riesigen Neutrinoteleskop eingebettet in des ewige Eis des Südpols, zum Ausdruck bringt. Sie besteht in meinen Augen im zeichnerischen Vollzug des Reduktionismus, des abendländischen Paradigmas wissenschaftlicher Erkenntnis über die physikalische Natur des Kosmos, wonach auch die komplexesten Strukturen und Phänomene durch einige wenige einfache Bausteine und Gesetze erklärbar sind. Dieses Prinzip hat zu den erfolgreichsten und umfassendsten Theorien in der Physik geführt, die das heutige physikalische Weltbild begründen. Das Fundament bilden die Standardmodelle der Teilchenphysik und Kosmologie mit sechs Leptonen und sechs Quarks als Grundbausteine der bekannten Materie, drei Eichsymmetrien als Quelle der bekannten fundamentalen Kräfte, dem Higgsboson als Ursprung der Masse und dem Urknall als Beginn von Raum und Zeit.
Es sind in der Tat sehr wenige Bausteine und Prinzipien, die ausreichen, um unser Universum und seine Entwicklung von einem Bruchteil einer milliardstel Sekunde nach dem Urknall bis heute zu verstehen, auch wenn noch nicht alle Elemente des kosmischen Bauplans bereits im Detail bekannt sind. So existierten unmittelbar nach dem Urknall sehr wahrscheinlich neben Leptonen und Quarks weitere sehr schwere Elementarteilchen, die im Zuge der Ausdehnung unnd Abkühlung des Universums durch Zerfall in leichtere und stabilere Teilchen verschwunden sind. Wir kennen noch nicht die Natur der unsichtbaren Dunklen Materie, ohne deren gravitative Wirkung die Anzahl und Verteilung der Sterne und Galaxien in den Tiefen des Universums nicht so sein würde, wie wir sie mit unseren Teleskopen und Satelliten beobachten. Weiter fehlt noch jede Vorstellung von der Dunklen Energie, die die Expansion des Universums zu beschleunigen scheint. Und schließlich gibt es noch keine schlüssige Antwort auf die Frage, ob unser Universum das einzige ist oder nur eine relative stabile kosmische Blase in einem grandiosen, turbulenten Multiversum.
Eine Hauptrolle in dieser kosmischen Aufführung spielen Symmetrie und Symmetriebrechung. Symmetrien implizieren Ununterscheidbarkeit und Vereinheitlichung und verringern somit die komplexe Vielfalt von Bausteinen und möglichen Beziehungen. Strukturen mit hoher Symmetrie sind im Grunde simpel. Vielgestaltigkeit, Komplexität und Spannung entstehen durch Symmetriebrechung. Diese tiefgründige Erkenntnis gehört für mich zu den größten Errungenschaften der Physik. Hier liegt ein entscheidender Schlüssel zum Verständnis unserer Welt und ihrer reichhaltigen Phänomenologie, von den kleinsten Dimensionen im Mikrokosmos bis zu den großräumigsten Strukturen im Universum. Auch die Massenerzeugung durch das noch hypothetische Higgsboson oder God Particle und viele damit zusammenhängende Eigenschaften der Elementarteilchen und fundamentalen Kräfte sind letztlich eine Konsequenz von Symmetriebrechung, womit wir aus den Weiten des Kosmos wieder bei der Deckenzeichnung „Gott-Partikel“ von Gerhard Mayer in der Markgrafenkirche zu Seibelsdorf angekommen wären. Auch in dieser Komposition basierend auf einem einfachen zeichnerischen Grundelement und einem knappen Regelwerk sehe ich das Zusammenspiel von Symmetrie und Symmetriebrechung.
Gerhard Mayer hat sich seine Elementarteilchen und Grundprinzipien selbst vorgegeben. Seine Grundstruktur, sozusagen das fundamentale Feld, ist die Ellipse. Sie ist die Quelle der elementaren Bausteine seiner Welt - Teile des Ellipsenumfangs, länger oder kürzer, kein Punkt und nicht der volle Umfang, alle zurückführbar auf eine geometrische Form mit einer gebrochenen Kreissymmetrie. Die Wechselwirkung dieser graphischen Elemente
wird durch wenige Grundregeln diktiert: Vorschriften wie keine Drehung der Ellipse, keine Überschneidung von Linien, einheitliche Strichdicke. Alles andere ist frei, zufällig wie in Quantensystemen, in denen das Einzelereignis völlig undeterminiert ist und nur Mittelwerte für messbare Größen, sogenannten Observablen, vieler Ereignisse vorhersagbar sind. Das Ergebnis ist eine komplexe Vielgestaltigkeit, dichte Teilchenkaskaden um leere Räume, Impression von formgebenden Kraftfeldern, Wirbel um gravitative Zentren, die sich in gleichförmige Wellenpropagation auflösen, aus flachem Hintergrund hervorspringende Raumdimensionen.
In den Zeichnungen wie „Gott-Partikel“ empfinde ich eine aufregende Spannung zwischen den Teilen und dem Ganzen, zwischen dem Einfachen und dem Komplexen. Aus meinem Blickwinkel als Physiker kann ich darin einen bildhaften Ausdruck der faszinierenden Spannung zwischen der Quantenwelt der Elementarteilchen mit strukturlosen Konstituenten und strengen Prinzipien und dem daraus hervorgehenden Kosmos mit seiner Vielfalt von Erscheinungsformen und seiner Dynamik erkennen. Je kleiner die Anzahl der elementaren Bausteine und fundamentalen Prinzipien ist, auf die eine Theorie dieses phantastische kosmische Schauspiel zurückführt, desto schöner ist sie in den Augen eines Physikers. Diesen Ästikbegriff kann man auch auf die Kunst von Gerhard Mayer anwenden. Wie die moderne Physik basiert sie auf einem Reduktionismus, der Komplexität und zufällige Entscheidungen nicht behindert, sondern Vielfalt und Differenzierung fördert und unvorhergesehene Ergebnisse hervorbringt. Bei dem Gedanken an das God Particle oder Higgsfeld, das im frühen Universum durch Symmetriebrechung die Massen der elementaren Bausteine der Materie erzeugte und so eine Bedingung für die Evolution des Universums von einem heißen Feuerball in einen wunderbaren Kosmos von Galaxien, Sonnen und lebensfreundlichen Planeten wie die Erde erfüllte, verwundert es daher vielleicht schon weniger, dass Gerhard Mayer seine Deckenzeichnung in der Seibelsdorfer Kirche „Gott-Partikel“ nannte.
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Wandzeichnung #25; "Gott-Partikel"; 2009; Tusche auf Wand (Ink on wall); Markgrafenkirche, Seibelsdorf, Foto: Annette Kradisch

Kontext
Gott-Partikel aus der Sicht eines Teilchenphysikers
Prof. Dr. Reinhold Rückl
Die meisten Besucher der Markgrafenkirche in Seibelsdorf und wohl auch viele Betrachter dieses Kunstbandes wird der Titel „Gott-Partikel” für eine Deckenzeichnung verwundern. Sogar diejenigen, die Gerhard Mayer und seine Werke kennen und wissen, dass er nicht selten ungewöhnliche, manchmal fremd anmutende Begriffe und Kürzel aus dem naturwissenschaftlichen Umfeld als Titel verwendet, vor allem aus der Quantenphysik, die er als besonders inspirierend betrachtet, mag es rätselhaft anmuten, was Gerhard Mayer bewogen hat, die Deckenzeichnung in dieser Kirche mit einem so merkwürdigem Ausdruck zu belegen. Ich selbst, der ich in der Physik zu Hause bin, habe bei diesem Titel eine unmittelbare Assoziation: God Particle - Ursprung der Eigenschaft „Masse“ im physikalischen Weltbild unserer Zeit und zentrales Objekt der modernen Elementarteilchenforschung. Liegt hier des Rätsels Lösung oder vielleicht ein Zugang, der einen neuen tiefgründigeren Blick auf dieses Kunstwerk von Gerhard Mayer eröffnet? Ich will es auf einen Versuch ankommen lassen.
Landläufig verbindet man mit der Masse oder dem Gewicht eines materiellen Gegenstandes die Summe der Massen seiner Bestandteile. Dieses durch die alltägliche Erfahrung evidente Verständnis kann bis in tiefe Ebenen des Mikrokosmos extrapoliert werden. So hat die Masse eines Moleküls ihren Ursprung in der Masse der Atome, aus denen es besteht, und die Masse eines Atoms wiederum in der Masse seines Kerns und der Elektronen, die jenen umkreisen. Die Masse des Kerns schließlich ist bestimmt durch die Anzahl der Nukleonen, aus denen er aufgebaut ist. Was aber, wenn man am Ende der Kette angelangt ist, bei den sogenannten Elementarteilchen, die nicht aus noch kleineren Bausteinen zusammengesetzt sind, also keine Bestandteile besitzen? Woher kommt die Masse dieser elementarsten Objekte im Kosmos?
Das Standardmodell der Teilchenphysik, in dem der heutige Erkenntnisstand über die elementarsten Bausteine der Materie und der Kräfte zwischen ihnen zusammengefasst ist, gibt eine sehr überraschende Antwort. Die Elementarteilchen sind a priori masselos, ihre scheinbare Masse wird erzeugt durch die Wechselwirkung mit einem Feld, das das gesamte Universum ausfüllt und nach seinem Erdenker „Higgsfeld“ genannt wird. Ähnlich wie ein Magnetfeld seine Anwesenheit erst durch seine Kraftwirkung auf ein metallisches Objekt verrät, das in seinen Einflussbereich gebracht wird, zeigt sich das Higgsfeld durch
seinem Einfluss auf die kleinsten, nicht mehr teilbaren Bausteine des Universums. Vergleichbar mit einer Kugel, die sich in einer zähen Flüssigkeit jeder Beschleunigung widersetzt, bewegen sich Elementarteilchen durch die Wechselwirkung mit dem Higgsfeld träger als im leeren Raum. Das Maß für Trägheit aber ist die Masse eines Objekts. Je zäher die Flüssigkeit, desto größer die Trägheit der Kugel, je stärker die Wechselwirkung mit dem Higgsfeld, desto schwerer die effektive Masse des Teilchens. Wie im Magnetfeld steckt auch im Higgsfeld Energie. In der Quantentheorie ist die Feldenergie nicht kontinuierlich verteilt, sondern gleichsam körnig in sogenannten Energiequanten. Das Quant des Higgsfeldes, das den kleinst möglichen Bruchteil an Feldenergie trägt, heißt Higgsboson oder populärer God Particle. Seine Existenz ist bis heute reine Spekulation, trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung in Beschleunigerexperimenten rund um den Globus. Mit dem weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC am Europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik CERN in Genf wurde in 2010 ein neuer gigantischer Versuch gestartet und es sieht ganz so aus, als wäre man dem God Particle diesmal dicht auf den Fersen.
Interessant, aber was hat das alles mit der Deckenzeichnung in der Markgrafenkirche zu tun? Sicher handelt es sich dort nicht um eine bildliche Darstellung des Higgsmechanismus. Die Quantenwelt läßt sich nicht bildlich darstellen, allenfalls illustrieren. Ihre Sprache ist die abstrakte Sprache der Mathematik. Illustrationen sind immer Halbwahrheiten, Hilfestellungen zwar für fruchtbare Intuition, aber auch Fallen, die zu falschen Assoziationen verleiten. Die Verbindung zum Schaffen von Gerhard Mayer ist eine andere, jene die er auch durch Titel anderer Werke wie „LHC“, dem Kürzel für die Weltmaschine am CERN, oder „Amanda“, dem Namen eines riesigen Neutrinoteleskop eingebettet in des ewige Eis des Südpols, zum Ausdruck bringt. Sie besteht in meinen Augen im zeichnerischen Vollzug des Reduktionismus, des abendländischen Paradigmas wissenschaftlicher Erkenntnis über die physikalische Natur des Kosmos, wonach auch die komplexesten Strukturen und Phänomene durch einige wenige einfache Bausteine und Gesetze erklärbar sind. Dieses Prinzip hat zu den erfolgreichsten und umfassendsten Theorien in der Physik geführt, die das heutige physikalische Weltbild begründen. Das Fundament bilden die Standardmodelle der Teilchenphysik und Kosmologie mit sechs Leptonen und sechs Quarks als Grundbausteine der bekannten Materie, drei Eichsymmetrien als Quelle der bekannten fundamentalen Kräfte, dem Higgsboson als Ursprung der Masse und dem Urknall als Beginn von Raum und Zeit.
Es sind in der Tat sehr wenige Bausteine und Prinzipien, die ausreichen, um unser Universum und seine Entwicklung von einem Bruchteil einer milliardstel Sekunde nach dem Urknall bis heute zu verstehen, auch wenn noch nicht alle Elemente des kosmischen Bauplans bereits im Detail bekannt sind. So existierten unmittelbar nach dem Urknall sehr wahrscheinlich neben Leptonen und Quarks weitere sehr schwere Elementarteilchen, die im Zuge der Ausdehnung unnd Abkühlung des Universums durch Zerfall in leichtere und stabilere Teilchen verschwunden sind. Wir kennen noch nicht die Natur der unsichtbaren Dunklen Materie, ohne deren gravitative Wirkung die Anzahl und Verteilung der Sterne und Galaxien in den Tiefen des Universums nicht so sein würde, wie wir sie mit unseren Teleskopen und Satelliten beobachten. Weiter fehlt noch jede Vorstellung von der Dunklen Energie, die die Expansion des Universums zu beschleunigen scheint. Und schließlich gibt es noch keine schlüssige Antwort auf die Frage, ob unser Universum das einzige ist oder nur eine relative stabile kosmische Blase in einem grandiosen, turbulenten Multiversum.
Eine Hauptrolle in dieser kosmischen Aufführung spielen Symmetrie und Symmetriebrechung. Symmetrien implizieren Ununterscheidbarkeit und Vereinheitlichung und verringern somit die komplexe Vielfalt von Bausteinen und möglichen Beziehungen. Strukturen mit hoher Symmetrie sind im Grunde simpel. Vielgestaltigkeit, Komplexität und Spannung entstehen durch Symmetriebrechung. Diese tiefgründige Erkenntnis gehört für mich zu den größten Errungenschaften der Physik. Hier liegt ein entscheidender Schlüssel zum Verständnis unserer Welt und ihrer reichhaltigen Phänomenologie, von den kleinsten Dimensionen im Mikrokosmos bis zu den großräumigsten Strukturen im Universum. Auch die Massenerzeugung durch das noch hypothetische Higgsboson oder God Particle und viele damit zusammenhängende Eigenschaften der Elementarteilchen und fundamentalen Kräfte sind letztlich eine Konsequenz von Symmetriebrechung, womit wir aus den Weiten des Kosmos wieder bei der Deckenzeichnung „Gott-Partikel“ von Gerhard Mayer in der Markgrafenkirche zu Seibelsdorf angekommen wären. Auch in dieser Komposition basierend auf einem einfachen zeichnerischen Grundelement und einem knappen Regelwerk sehe ich das Zusammenspiel von Symmetrie und Symmetriebrechung.
Gerhard Mayer hat sich seine Elementarteilchen und Grundprinzipien selbst vorgegeben. Seine Grundstruktur, sozusagen das fundamentale Feld, ist die Ellipse. Sie ist die Quelle der elementaren Bausteine seiner Welt - Teile des Ellipsenumfangs, länger oder kürzer, kein Punkt und nicht der volle Umfang, alle zurückführbar auf eine geometrische Form mit einer gebrochenen Kreissymmetrie. Die Wechselwirkung dieser graphischen Elemente
wird durch wenige Grundregeln diktiert: Vorschriften wie keine Drehung der Ellipse, keine Überschneidung von Linien, einheitliche Strichdicke. Alles andere ist frei, zufällig wie in Quantensystemen, in denen das Einzelereignis völlig undeterminiert ist und nur Mittelwerte für messbare Größen, sogenannten Observablen, vieler Ereignisse vorhersagbar sind. Das Ergebnis ist eine komplexe Vielgestaltigkeit, dichte Teilchenkaskaden um leere Räume, Impression von formgebenden Kraftfeldern, Wirbel um gravitative Zentren, die sich in gleichförmige Wellenpropagation auflösen, aus flachem Hintergrund hervorspringende Raumdimensionen.
In den Zeichnungen wie „Gott-Partikel“ empfinde ich eine aufregende Spannung zwischen den Teilen und dem Ganzen, zwischen dem Einfachen und dem Komplexen. Aus meinem Blickwinkel als Physiker kann ich darin einen bildhaften Ausdruck der faszinierenden Spannung zwischen der Quantenwelt der Elementarteilchen mit strukturlosen Konstituenten und strengen Prinzipien und dem daraus hervorgehenden Kosmos mit seiner Vielfalt von Erscheinungsformen und seiner Dynamik erkennen. Je kleiner die Anzahl der elementaren Bausteine und fundamentalen Prinzipien ist, auf die eine Theorie dieses phantastische kosmische Schauspiel zurückführt, desto schöner ist sie in den Augen eines Physikers. Diesen Ästikbegriff kann man auch auf die Kunst von Gerhard Mayer anwenden. Wie die moderne Physik basiert sie auf einem Reduktionismus, der Komplexität und zufällige Entscheidungen nicht behindert, sondern Vielfalt und Differenzierung fördert und unvorhergesehene Ergebnisse hervorbringt. Bei dem Gedanken an das God Particle oder Higgsfeld, das im frühen Universum durch Symmetriebrechung die Massen der elementaren Bausteine der Materie erzeugte und so eine Bedingung für die Evolution des Universums von einem heißen Feuerball in einen wunderbaren Kosmos von Galaxien, Sonnen und lebensfreundlichen Planeten wie die Erde erfüllte, verwundert es daher vielleicht schon weniger, dass Gerhard Mayer seine Deckenzeichnung in der Seibelsdorfer Kirche „Gott-Partikel“ nannte.
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Wandzeichnung #25; "Gott-Particle"; Tusche auf Wand (Ink on wall); Markgrafenkirche, Seibelsdorf, Foto: Annette Kradisch

Kontext
Gott-Partikel aus der Sicht eines Teilchenphysikers
Prof. Dr. Reinhold Rückl
Die meisten Besucher der Markgrafenkirche in Seibelsdorf und wohl auch viele Betrachter dieses Kunstbandes wird der Titel „Gott-Partikel” für eine Deckenzeichnung verwundern. Sogar diejenigen, die Gerhard Mayer und seine Werke kennen und wissen, dass er nicht selten ungewöhnliche, manchmal fremd anmutende Begriffe und Kürzel aus dem naturwissenschaftlichen Umfeld als Titel verwendet, vor allem aus der Quantenphysik, die er als besonders inspirierend betrachtet, mag es rätselhaft anmuten, was Gerhard Mayer bewogen hat, die Deckenzeichnung in dieser Kirche mit einem so merkwürdigem Ausdruck zu belegen. Ich selbst, der ich in der Physik zu Hause bin, habe bei diesem Titel eine unmittelbare Assoziation: God Particle - Ursprung der Eigenschaft „Masse“ im physikalischen Weltbild unserer Zeit und zentrales Objekt der modernen Elementarteilchenforschung. Liegt hier des Rätsels Lösung oder vielleicht ein Zugang, der einen neuen tiefgründigeren Blick auf dieses Kunstwerk von Gerhard Mayer eröffnet? Ich will es auf einen Versuch ankommen lassen.
Landläufig verbindet man mit der Masse oder dem Gewicht eines materiellen Gegenstandes die Summe der Massen seiner Bestandteile. Dieses durch die alltägliche Erfahrung evidente Verständnis kann bis in tiefe Ebenen des Mikrokosmos extrapoliert werden. So hat die Masse eines Moleküls ihren Ursprung in der Masse der Atome, aus denen es besteht, und die Masse eines Atoms wiederum in der Masse seines Kerns und der Elektronen, die jenen umkreisen. Die Masse des Kerns schließlich ist bestimmt durch die Anzahl der Nukleonen, aus denen er aufgebaut ist. Was aber, wenn man am Ende der Kette angelangt ist, bei den sogenannten Elementarteilchen, die nicht aus noch kleineren Bausteinen zusammengesetzt sind, also keine Bestandteile besitzen? Woher kommt die Masse dieser elementarsten Objekte im Kosmos?
Das Standardmodell der Teilchenphysik, in dem der heutige Erkenntnisstand über die elementarsten Bausteine der Materie und der Kräfte zwischen ihnen zusammengefasst ist, gibt eine sehr überraschende Antwort. Die Elementarteilchen sind a priori masselos, ihre scheinbare Masse wird erzeugt durch die Wechselwirkung mit einem Feld, das das gesamte Universum ausfüllt und nach seinem Erdenker „Higgsfeld“ genannt wird. Ähnlich wie ein Magnetfeld seine Anwesenheit erst durch seine Kraftwirkung auf ein metallisches Objekt verrät, das in seinen Einflussbereich gebracht wird, zeigt sich das Higgsfeld durch
seinem Einfluss auf die kleinsten, nicht mehr teilbaren Bausteine des Universums. Vergleichbar mit einer Kugel, die sich in einer zähen Flüssigkeit jeder Beschleunigung widersetzt, bewegen sich Elementarteilchen durch die Wechselwirkung mit dem Higgsfeld träger als im leeren Raum. Das Maß für Trägheit aber ist die Masse eines Objekts. Je zäher die Flüssigkeit, desto größer die Trägheit der Kugel, je stärker die Wechselwirkung mit dem Higgsfeld, desto schwerer die effektive Masse des Teilchens. Wie im Magnetfeld steckt auch im Higgsfeld Energie. In der Quantentheorie ist die Feldenergie nicht kontinuierlich verteilt, sondern gleichsam körnig in sogenannten Energiequanten. Das Quant des Higgsfeldes, das den kleinst möglichen Bruchteil an Feldenergie trägt, heißt Higgsboson oder populärer God Particle. Seine Existenz ist bis heute reine Spekulation, trotz jahrzehntelanger intensiver Forschung in Beschleunigerexperimenten rund um den Globus. Mit dem weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC am Europäischen Forschungszentrum für Teilchenphysik CERN in Genf wurde in 2010 ein neuer gigantischer Versuch gestartet und es sieht ganz so aus, als wäre man dem God Particle diesmal dicht auf den Fersen.
Interessant, aber was hat das alles mit der Deckenzeichnung in der Markgrafenkirche zu tun? Sicher handelt es sich dort nicht um eine bildliche Darstellung des Higgsmechanismus. Die Quantenwelt läßt sich nicht bildlich darstellen, allenfalls illustrieren. Ihre Sprache ist die abstrakte Sprache der Mathematik. Illustrationen sind immer Halbwahrheiten, Hilfestellungen zwar für fruchtbare Intuition, aber auch Fallen, die zu falschen Assoziationen verleiten. Die Verbindung zum Schaffen von Gerhard Mayer ist eine andere, jene die er auch durch Titel anderer Werke wie „LHC“, dem Kürzel für die Weltmaschine am CERN, oder „Amanda“, dem Namen eines riesigen Neutrinoteleskop eingebettet in des ewige Eis des Südpols, zum Ausdruck bringt. Sie besteht in meinen Augen im zeichnerischen Vollzug des Reduktionismus, des abendländischen Paradigmas wissenschaftlicher Erkenntnis über die physikalische Natur des Kosmos, wonach auch die komplexesten Strukturen und Phänomene durch einige wenige einfache Bausteine und Gesetze erklärbar sind. Dieses Prinzip hat zu den erfolgreichsten und umfassendsten Theorien in der Physik geführt, die das heutige physikalische Weltbild begründen. Das Fundament bilden die Standardmodelle der Teilchenphysik und Kosmologie mit sechs Leptonen und sechs Quarks als Grundbausteine der bekannten Materie, drei Eichsymmetrien als Quelle der bekannten fundamentalen Kräfte, dem Higgsboson als Ursprung der Masse und dem Urknall als Beginn von Raum und Zeit.
Es sind in der Tat sehr wenige Bausteine und Prinzipien, die ausreichen, um unser Universum und seine Entwicklung von einem Bruchteil einer milliardstel Sekunde nach dem Urknall bis heute zu verstehen, auch wenn noch nicht alle Elemente des kosmischen Bauplans bereits im Detail bekannt sind. So existierten unmittelbar nach dem Urknall sehr wahrscheinlich neben Leptonen und Quarks weitere sehr schwere Elementarteilchen, die im Zuge der Ausdehnung unnd Abkühlung des Universums durch Zerfall in leichtere und stabilere Teilchen verschwunden sind. Wir kennen noch nicht die Natur der unsichtbaren Dunklen Materie, ohne deren gravitative Wirkung die Anzahl und Verteilung der Sterne und Galaxien in den Tiefen des Universums nicht so sein würde, wie wir sie mit unseren Teleskopen und Satelliten beobachten. Weiter fehlt noch jede Vorstellung von der Dunklen Energie, die die Expansion des Universums zu beschleunigen scheint. Und schließlich gibt es noch keine schlüssige Antwort auf die Frage, ob unser Universum das einzige ist oder nur eine relative stabile kosmische Blase in einem grandiosen, turbulenten Multiversum.
Eine Hauptrolle in dieser kosmischen Aufführung spielen Symmetrie und Symmetriebrechung. Symmetrien implizieren Ununterscheidbarkeit und Vereinheitlichung und verringern somit die komplexe Vielfalt von Bausteinen und möglichen Beziehungen. Strukturen mit hoher Symmetrie sind im Grunde simpel. Vielgestaltigkeit, Komplexität und Spannung entstehen durch Symmetriebrechung. Diese tiefgründige Erkenntnis gehört für mich zu den größten Errungenschaften der Physik. Hier liegt ein entscheidender Schlüssel zum Verständnis unserer Welt und ihrer reichhaltigen Phänomenologie, von den kleinsten Dimensionen im Mikrokosmos bis zu den großräumigsten Strukturen im Universum. Auch die Massenerzeugung durch das noch hypothetische Higgsboson oder God Particle und viele damit zusammenhängende Eigenschaften der Elementarteilchen und fundamentalen Kräfte sind letztlich eine Konsequenz von Symmetriebrechung, womit wir aus den Weiten des Kosmos wieder bei der Deckenzeichnung „Gott-Partikel“ von Gerhard Mayer in der Markgrafenkirche zu Seibelsdorf angekommen wären. Auch in dieser Komposition basierend auf einem einfachen zeichnerischen Grundelement und einem knappen Regelwerk sehe ich das Zusammenspiel von Symmetrie und Symmetriebrechung.
Gerhard Mayer hat sich seine Elementarteilchen und Grundprinzipien selbst vorgegeben. Seine Grundstruktur, sozusagen das fundamentale Feld, ist die Ellipse. Sie ist die Quelle der elementaren Bausteine seiner Welt - Teile des Ellipsenumfangs, länger oder kürzer, kein Punkt und nicht der volle Umfang, alle zurückführbar auf eine geometrische Form mit einer gebrochenen Kreissymmetrie. Die Wechselwirkung dieser graphischen Elemente
wird durch wenige Grundregeln diktiert: Vorschriften wie keine Drehung der Ellipse, keine Überschneidung von Linien, einheitliche Strichdicke. Alles andere ist frei, zufällig wie in Quantensystemen, in denen das Einzelereignis völlig undeterminiert ist und nur Mittelwerte für messbare Größen, sogenannten Observablen, vieler Ereignisse vorhersagbar sind. Das Ergebnis ist eine komplexe Vielgestaltigkeit, dichte Teilchenkaskaden um leere Räume, Impression von formgebenden Kraftfeldern, Wirbel um gravitative Zentren, die sich in gleichförmige Wellenpropagation auflösen, aus flachem Hintergrund hervorspringende Raumdimensionen.
In den Zeichnungen wie „Gott-Partikel“ empfinde ich eine aufregende Spannung zwischen den Teilen und dem Ganzen, zwischen dem Einfachen und dem Komplexen. Aus meinem Blickwinkel als Physiker kann ich darin einen bildhaften Ausdruck der faszinierenden Spannung zwischen der Quantenwelt der Elementarteilchen mit strukturlosen Konstituenten und strengen Prinzipien und dem daraus hervorgehenden Kosmos mit seiner Vielfalt von Erscheinungsformen und seiner Dynamik erkennen. Je kleiner die Anzahl der elementaren Bausteine und fundamentalen Prinzipien ist, auf die eine Theorie dieses phantastische kosmische Schauspiel zurückführt, desto schöner ist sie in den Augen eines Physikers. Diesen Ästikbegriff kann man auch auf die Kunst von Gerhard Mayer anwenden. Wie die moderne Physik basiert sie auf einem Reduktionismus, der Komplexität und zufällige Entscheidungen nicht behindert, sondern Vielfalt und Differenzierung fördert und unvorhergesehene Ergebnisse hervorbringt. Bei dem Gedanken an das God Particle oder Higgsfeld, das im frühen Universum durch Symmetriebrechung die Massen der elementaren Bausteine der Materie erzeugte und so eine Bedingung für die Evolution des Universums von einem heißen Feuerball in einen wunderbaren Kosmos von Galaxien, Sonnen und lebensfreundlichen Planeten wie die Erde erfüllte, verwundert es daher vielleicht schon weniger, dass Gerhard Mayer seine Deckenzeichnung in der Seibelsdorfer Kirche „Gott-Partikel“ nannte.
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Wandzeichnung #34; ca. 15 qm; Tusche auf Beton; 2016; Privatgebäude Nürnberg

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Wandzeichnung #34; ca. 15 qm; Tusche auf Beton; 2016; Privatgebäude Nürnberg; Foto: Simone Michalko

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Wandzeichnung #34; ca. 15 qm; Tusche auf Beton; 2016; Privatgebäude Nürnberg; Foto: Simone Michalko

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Wandzeichnung #10; „18 Holes“ mit John Powers; 2004; John Michael Kohler Arts Center, Sheboygan, Wi, USA

Kontext
18 Holes

In celebration of this summer’s PGA Championship being held at nearby Whistling Straits, the John Kohler Arts Center is pleased to present an extraordinary art installation modeled loosely on the sophisticated game of golf. Although similar to golf in spirit, the „art course“ created by German artist Gerhard Mayer and New York artist John Powers captures the imagination in a strikingly different way.

Devotees of golf maintain that it is not simply about playing a game or being able to hit a ball into a hole – it is about being centered in the present and, beyond that, about using it as a model for navigating the world in which we live. 18 HOLES: AN ART COURSE reflects upon the concept of golf while simultaneously incorporating the challenges and rewards of engaging with art.

The artists, each a master of precision and studied detail, have transformed the gallery into a unique coolaborative installation. Once we step into this amazing space, time and reality slip away, leaving us (the players) to roam freely in a place that writer Jeff Wallach, author of Beyond the Fairway, has termed „ the game’s unmanicured terrain.“ By this, Wallach means a place where we, in our own minds, have strayed from all rules and straightforward progressions into a place where we „ play „ in order to discover or understand something deeper about ourselves.

On the Art Course , holes number one and eighteen are predetermined; the course between them is open to selfdetermined play. The first hole, just inside the entrance to the gallery, is accessible by a tee, a radial arrangement of Mayer’s lines on the floor that indicates the starting point for the game. As the ball sits on the two – dimensional tee, it is poised to enter the first hole – a horizontal tube that passes through the entry wall. The tubular hole is seemingly straightforward, yet focus and aim, in tandem with the precise amount of energy, are required to send the ball to the other side. Thus hole number 1 serves as a place to „ become focused „ . The eighteenth hole offers a conceptual challenge – it is the end of a journey and a place where we may find ourselves completely centered. Not actually a cavity in the floor as holes 2 through 17 are, hole number 18 is a nucleus of fragmented lines.  Tightly concentrated, yet never touching one another the stark black lines form an optically challenging core on the white floor, resulting in a visual hole that is the game’s conceptual end – point. If we as players have, indeed, become focused and achieved the desired mind – body equilibrium, we are invited to give physical evidence of this through the execution  of a delicate putt that centers the ball on the planar „ hole „ .As in any game, there are rules that must be followed. Yet as long as the rules are followed, we may „ play „ in the manner of our own choosing. The path is ours to determine, the challengers are none other than ourselves. With or without a club and ball, we can embrace the infinite possibilities and enter into the contemplative zone that Mayer and Powers have offered, while keeping in mind that, during any so – called game, something much more meaningful can actually take place.

Inside this expansive white room, Gerhard Mayer has laid the groundwork with rigidly patterned line drawings that sprawl across the floors and spin up the walls. Mayer adheres to a set of seven „ self – proscriped rules „ when painting his gently arching and swirling black lines. With these rules, Mayer restricts himself to elliptical lines – never dots – that, may neither intersect nor become complete ellipses. Additionally, the lines may only be created using one size and form of elliptical stencil; the arcs must always be horizontal, and never transgress an edge or corner. In each place he positions the stencil, three or four lines must be drawn and each must have visible white space separating it from the next. The result is an apparent alteration of space. Oblique angles and whirling curves seemingly expand in places, contract in others, and even erupt from the floor, conveying the sense that one has stepped into a zone of extraordinary energy. The sharp black lines create optical impressions around the holes, challenging players to draw on what they understand rather than what is physically seen. Despite the strictness of his own rules, Mayer finds literally endless possibilities, mapping the terrain as he goes and creating widely diverse patterns. His imagery reflects tensions similar to those found in golf: the need for precision, spatial interpretation, an open mind, and creativity, as well as a solid grounding in physics, particularly in terms of trajectory, thrust, gravity, and interrelatedness.

Strategically integrated with Mayer’s drawings are the large – scale additive sculptures of John Powers. Power uses repeating patterns of three – dimensional blocks much in the same way that Mayer uses lines, in that symmetry, rythm, relationships, harnessed energy, and precision become embodied in something visual. Yet while Mayer’s lines suggest energy radiating from a source, Powers’ pieces seem to be the source, an explosion of particals frozen in time. The subtly repeating patterns that Powers develops and adheres to ad infinitum are hard to identify individually, yet from what may at first appear to be frenzied chaos stems a strong and overriding sense of order and control. Simultaneously and even conversely, Powers’ complex forms – made from thousands of symmetrically conjoined snow – white foam blocks – syntesize with Mayer’s optical planes. These sculptures add a complex spatial element, appearing to have somehow extracted themselves from the linear plane while also suggesting sound, as in a repeating series of visual booms and crashes.

In the Art Course, Powers’ sculptures have, in essence, become obstacles or significant factors in the player’s path. For him, elements that ultimately constrict and control the way people interact with a space are a fascinating aspect of art created to exist in a public space.  To encounter one of his large – scale sculptures is to confront something that is at once imposing and fragile and that elicits a response of momentary indecision or contemplation. The long floor piece resembles concrete barriers for traffic or crowd control, yet its soft, delicate, and perfectly white material, in tandem with a visual complexity nothing short of amazing, renders it solely a conceptual barrier. As in Zen practice and in golf, the real barrier – and the path around it – must be found within the individual.

Mayer and Powers both draw on the idea of „ play „ in their work. The artists, alongside scientists, golfers and countless others, have come to value „ play „ as a way of releasing thoughts and discovering truths through experimentation and the relaxation of the mind. For Mayer, it is the discipline of the rules and the vast creativity within the rigid guidelines of the game. For Powers, mathematical formulas, complex symmetries, and influentual thinkers such as Alfred Adler and theories on „ serious play „ as a path to opening the mind have been integral to his approach. In keeping with these ideas, both artists consider the labor – intensive and inherently time – consuming making of the installation to be a central aspect of its significance as a work of art – for someone else to execute the making of the work would mean something notably different. Their intensive techniques make the expenditure of time visually palpable.

Perhaps the strongest connection between these artists’ work and the game of golf is a shared dedication to suspending calculated time and taking an introspective journey. In a time where things move increasingly faster and more efficiently, there is a human need to slow things down, create blockades for oneself, and generate a space where pressured time is dethroned and the mind is allowed to linger, puzzle, and absorb things that might otherwise be lost.

Golf is relished for ist endless variability in strategy, style, and the „ wild card „ factors of natural events, hazards, and other players. In this installation, Mayer and Powers have payed homage to a term originally used by golfers for an obstacle, „ stymie „ . Both artists, through visual or physical impediments, effectively stymie the play, adding a vital and stimulating element of challenge. Watching the form of an expert golfer as s/he plays is aking to viewing Power’s presentation of pattern; both are so seemingly flawless that it is easy fort the uninitiated to overlook the tremendous comprehension, effort, and intensity embodied within each. Also analogous to golfers, who view their game as a microsom of an individual within the universe, perceiving an ever – shifting balance between individual will and the physical laws of nature, is Mayer, who similarly regards his drawings.

Employing the central tenets of physics ( as do golfers, knowingly or not ), Mayer creates ellipses that suggest gravitational force and the movement of particles. His lines, which never touch one another, appear to be in motion, spinning and receding. Mayer provides the visual analogy of a wet dog shaking – the water flies off in parallel arcs that, conversly, describe the shape of the dog itself. His drawings indicate energy flow within a given dynamic system, essentially describing the relationship between the force and the object at the center of the force, though such an object is never seen. Both Mayer and Powers create systems for themselves to „ play „ by and function within, thus discovering an expansive universe of possibilities within a seemingly finite system. So, too, do golfers. In the Art Course, the player travels an imaginary, perhaps even spiritual, landscape where, as Wallach says, „ the process „ is  the destination is the journey is the end „ .

Leslie Umberger
Senior Curator of
Exhibitions and Collections



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Wandzeichnung #3; „Everything is essentually possible“; 2001; Tusche auf Wand (Ink on wall); Caren Golden Fine Art, New York

Kontext
Caren Golden Fine Art

Gerhard Mayer
In delightfully echt – Germanic fashion, this draftsmanartist follows seven rigid, self – imposed rules. He must use an elliptical template, but he’s not allowed to draw a complete ellipse, no rare any lines allowed to touch each other, etc. Otherwise, Mayer can do anything he wants, and the results tend to have an appealing, anarchic fastidiousness. The most impressive, a fifty foot wall work full of scattering arcs, dashes, and spiralling have shapes, could be an explosion in a Slinky factory. Mayer may be working in Sol LeWitt’s shadow, but the sheer idiosyncratic energy of his drawings should make the great delegator nerveous.

The New Yorker, June 18 & 25, 2001

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Wandzeichnung #21; „GHZ“( Greenberger, Horn, Zeilinger ); 2008; Tusche auf Wand (Ink on wall); Club Transmediale, Berlin

Kontext
CTM
Gerhard Mayer (DE)
„GHZ“, wall drawing, 2008
Mayer studied painting and graphic arts. He works on puzzle collages and ink drawings, often in the format of large – scale spatial murals. Although his mostly black and white drawings often seem to be a distinctive computer aesthetic, they are actually not digitally generated but drawn by hand with ink and ellipsoid gauge. Reffering to algorythmic art and generative strategies, he develops his abstract spatial constructs by strictly applying a set of defined rules. Thus he injects elements of unpredictability in his creations, defining them rather as procedural findings  than an imagination’s effigy. His work draws together connections between mathematics, art, particle systems and quantum physics. Visually his dynamic compositions of lines and dots could easily be interpreted as new forms of notations of the electronic music, that the mentions as an influence on his work.
Mayer studierte Malerei und Graphikdesign. Er arbeitet an Puzzle – Collagen und Tuschezeichnungen, oft in Form raumgreifender Wandbilder. Obwohl seine vorwiegend schwarz und weiß gehaltenen Zeichnungen dezidiert an Computerästhetiken erinnern, sind sie nicht digital erzeugt, sondern per Hand mit Tinte und Ellipsenschablone gezeichnet. In Anlehnung an algorithmische Kunst und generative Strategien, entwickelt er seine räumlichen, abstrakten Bildkonstruktionen durch die strikte Anwendung eines zuvor festgelegten Regelkatalogs. Auf diese Weise fließen Momente des Unvorhersehbaren in Mayers Arbeiten ein und lassen sie als ergebnisoffene Prozesse erscheinen. Mayers dynamische Kompositionen aus Linien und Punkten ziehen Verbindungen zwischen Mathematik, Kunst, Partikel – Systemen und Quantenphysik und könnten auch als neue Formen der Notation elektronischer Musik interpretiert werden, die er als Einfluss für seine Arbeiten angibt.
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Wandzeichnung #18; „Zufällige Notwendigkeit“ ( mit Simone Michalko ); 2007; Tusche auf Wand (Ink on wall); Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden

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Wandzeichnung #18; „Zufällige Notwendigkeit“ ( mit Simone Michalko ); 2007; Tusche auf Wand (Ink on wall); Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden

Kontext
Gerhard Mayer (mit Simone Michalko)

„Zufällige Notwendigkeit“

Wandzeichnung #18, Zeichentusche auf Wand, im NKV Wiesbaden
13.Mai – 1.7.2007

Die bestimmenden Faktoren dieser Wandzeichnung sind meine Zusammenarbeit mit der Sängerin Simone Michalko und das Übernehmen der Grundstruktur des Ausstellungsraumes als zentrale Form an der Wand. Das strengen Regeln unterworfene Zeichensystem lässt trotzdem viele Zufälle und fremde Einflüsse zu. Aus diesem Grund war es die logische Konsequenz, für eine bestimmte Wandzeichnung, eine weitere Person in die Arbeit zu integrieren. Jede Linie wird durch das Anlegen des Pinsels an eine Ellipsenschablone erzeugt. Durch das meist zeitgleiche Zeichnen beider Personen an derselben Schablone entstehen unerwartete Einflüsse, die wie in einem evolutionären System den Verlauf bestimmen. Mehr als bei jeder Wandzeichnung vorher wurde das Verhältnis von zufällig entstandenen Linienverbindungen und notwendiger Einbindung dieser Stellen wichtig. Im Weiteren war der symmetrische Aufbau des Raumes Anstoß, eine Zeichnung mit zwei Zentren zu entwickeln. Durch dargestellte und verzerrte Perspektiven wirkt die Zeichnung aus jedem Betrachterstandpunkt verschieden. Die Bewegung des Betrachters im Raum erweitert somit die Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Gerhard Mayer
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Wandzeichnung #22; „QGP“ (Quark – Gluon – Plasma); 2008, Tusche auf Wand (Ink on wall); 159 x 334 cm; Sammlung Annette Oechsner Nürnberg

Kontext
"QGP"
Eine Millionstelsekunde nach dem Urknall befand sich die Materie des Universums in einem Zustand, den die Wissenschaftler als Quark – Gluon – Plasma, kurz QGP, bezeichnen. Ein äußerst heißes und komprimiertes Gemenge aus Quarks, den Elementaren Bausteinen unserer Materie, und aus Gluonen, welche die Quarks in den Atomen zusammenhalten.
Diesen Zustand bezeichnet man auch als Ursuppe, die wunderbar in jede Küche passt.

Nur eine Hunderttausendstel Sekunde nach dem Urknall ist dieses QGP ausgefroren zu Protonen und Neutronen, den Teilchen, die die Atomkerne bilden. Man kann sich diesen Vorgang wie bei den drei Aggregatszuständen des Wassers vorstellen. Vom Wasserdampf zum flüssigen Element, zum Eis. Materie ist geronnene Energie.

Die Steckdose im Zentrum der Arbeit dient in diesem Zusammenhang als hervorragend ironisches Element um mit diesen Gedanken zu spielen.


Gerhard Mayer

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Wandzeichnung #7; „Zufall und Notwendigkeit“; 2003; Tusche auf Wand (Ink on wall); Galerie Ute Parduhn, Düsseldorf

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Wandzeichnung #7; „Zufall und Notwendigkeit“; 2003; Galerie Ute Parduhn, Düsseldorf

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Wandzeichnung #9; „Amanda“; 2003; Tusche auf Wand (Ink on wall); Künstlerhaus, Dortmund

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Wandzeichnung #9; "Amanda" 2003; Tusche auf Wand (Ink on wall); Künstlerhaus Dortmund

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Wandzeichnung #29 Tusche auf Wand (Ink on wall) - Elliptically Paintings: EP33, Öl auf Aluminium (oil on aluminium); 2010; Auf AEG (Parcours) Nürnberg; Foto: Annette Kradisch; courtesy Oechsner Galerie Nürnberg

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Wandzeichnung #29 Tusche auf Wand (Ink on wall) - Elliptically Paintings: EP33, Öl auf Aluminium (oil on aluminium); 2010; Auf AEG (Parcours) Nürnberg; Foto: Annette Kradisch; courtesy Oechsner Galerie Nürnberg

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